Geschichte Der Alehaaner Kirchweih

1232 bis 1710 der Weg zur eigenen Kirche

Die Geschichte Altenhains reicht bis ins Jahr 1232 zurück, als der Ort erstmals urkundlich erwähnt wurde. Über die Jahrhunderte war Altenhain von den politischen und religiösen Veränderungen seiner Zeit geprägt. Mit den wechselnden Herrschaften änderte sich mehrfach auch das religiöse Bekenntnis der Bevölkerung: Nach der Reformation wurde Altenhain zunächst lutherisch, später calvinistisch-reformiert, anschließend wieder katholisch, zwischenzeitlich erneut evangelisch und schließlich ab der Mitte des 17. Jahrhunderts dauerhaft katholisch.

Ein bedeutender Meilenstein der Ortsgeschichte war die Errichtung der heutigen Kirche. Am 8. September 1710 wurde sie feierlich geweiht. Zu diesem Anlass besuchte sogar der Mainzer Kurfürst Lothar Franz von Schönborn Altenhain. Die Kirchweihe war für die damalige Dorfgemeinschaft ein außergewöhnliches Ereignis und wurde mit einem großen Fest begangen.

Aus dieser Feier entwickelte sich die Altenhainer Kirchweih – die heutige Alehaaner Wuzzekerb. Über Generationen hinweg erinnerten die Altenhainer mit ihrer Kerb an die Weihe ihrer Kirche und pflegten damit ein Stück Dorfgeschichte und Gemeinschaft.

Kirchweih als Dorffest bis 1963

Über mehr als 250 Jahre wurde die Kerb fester Bestandteil des Dorflebens. Anders als heute fand sie nicht auf einem Festplatz statt, sondern wurde hauptsächlich in den Altenhainer Gaststätten gefeiert. Besonders der Grüne Baum und die Gaststätte Zum Taunus waren über Generationen hinweg die Zentren der Kirchweih. Hier trafen sich die Altenhainer, um gemeinsam zu feiern, Neuigkeiten auszutauschen und die Dorfgemeinschaft zu pflegen.

Mit dem Wandel der Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg verloren viele traditionelle Dorfveranstaltungen an Bedeutung. Auch die Altenhainer Kerb wurde zunehmend kleiner. Nach der letzten traditionellen Kerb im Jahr 1963 starb die jahrhundertealte Tradition zunächst aus und verschwand für einige Jahre aus dem Dorfleben.

Wieso Wuzze?

Die Altenhainer Wutzelscher oder Wutzerscher:

Es gibt mehrere Erklärungen für den Namen der Altenhainer.  

Erste Version

Die Altenhainer sollen beim Sammeln der Tannen- und Kiefernfrüchte (Kieferngackele, Tanneäppel) besonders emsig gewesen sein. Bis die Neuenhainer so recht aus dem Bett gekrochen waren, da hatten die Altenhainer frühmorgens ihre Arbeit schon beendet und waren mit vollen Säcken und Körben, eben denen im Volksmund als "Wutzerscher" oder "Wutzelscher" bezeichneten Früchten auf dem Weg nach Hause.

Zweite Version

Den Namen sollen die Altenhainer den Früchten der Esskastanie (Käste) in ihrer stacheligen Schale verdanken, die es im Gemarkungsgebiet sehr häufig gibt. Die Edelkastanie wurde hier systematisch angebaut und kultiviert. Die Früchte (Maronen) ließen sich bis  zur Eröffnung des Gotthard-Tunnels in Frankfurt gut verkaufen. Dann eroberte die italienische Konkurrenz der Markt. So hatte die Gemeinde von ihren "Kästebäm" schöne Einnahmen und die Altenhainer zugleich ihren Spottnamen weg.

Dritte Version

Glaubt man so manch betrunkenem Junggesellen aus Altenhain, der nachts auf seinem Smartphone Google Maps öffnet, sieht der Straßenverlauf von Altenhain aus der Vogelperspektive mit ein wenig Fantasie so aus wie eine Wuzz.


1976 - Zeltkerb in Alehaa

 

achdem die Altenhainer Kerb seit 1963 nicht mehr gefeiert wurde, drohte eine jahrhundertealte Tradition endgültig in Vergessenheit zu geraten. Doch bereits einige Jahre später entstand die Idee, die Kerb wieder aufleben zu lassen.

Den entscheidenden Impuls erhielt man bei einer Vereinsfahrt des Männergesangsvereins nach Bad Kreuznach. Dort besuchten mehrere Altenhainer ein Festzelt, in dem eine traditionelle Kirchweih gefeiert wurde. Die Stimmung, die Gemeinschaft und die Begeisterung der Besucher beeindruckten die Teilnehmer nachhaltig. Auf der Heimfahrt und in den darauffolgenden Gesprächen reifte der Gedanke, auch Altenhain wieder eine eigene Kerb zu geben.

Als die Nachwuchssänger des MTV Taunusliederzweig Altenhain – Rolf Lange, Ralf Pfeiffer, Matthias Henninger, Jürgen Gottschalk und Rüdiger Gottschalk – ihre Väter fragten, wie die Altenhainer Kerb früher gefeiert wurde, traf diese Neugier auf eine bereits vorhandene Idee. Nach mehreren gemeinsamen Abenden stand schließlich fest: Altenhain soll wieder seine eigene Kerb bekommen.

Gemeinsam mit weiteren jungen Männern aus dem Ort wurden sie die ersten Kerbeborsch der Neuzeit und ließen die Kerb 1976 wieder auferstehen. Die Entscheidung für eine Zeltkerb war dabei bewusst getroffen worden. Man wollte die Kirchweih aus den Gaststätten heraus ins Dorf tragen und einen Treffpunkt schaffen, an dem die gesamte Dorfgemeinschaft gemeinsam feiern konnte.

Die organisatorische Verantwortung lag dabei nicht bei den Kerbeborsch selbst. Die Ausrichtung der Kerb wurde über viele Jahre hinweg von den Altenhainer Vereinen getragen. Insbesondere die TSG Altenhain, der Männergesangsverein sowie der Obst- und Gartenbauverein wechselten sich mit der Durchführung der Veranstaltung ab und sorgten dafür, dass die Kerb Jahr für Jahr stattfinden konnte.

Die Kerbeborsch übernahmen dabei vor allem den traditionellen und unterhaltsamen Teil der Kerb. Mit Einlaufen, Kerberede, Kerbepfarrer, Gesang und weiteren Programmpunkten wurden sie zum Gesicht der Veranstaltung und prägten das Erscheinungsbild der Altenhainer Kerb über Jahrzehnte hinweg.

Die erste Zeltkerb entwickelte sich schnell zu einem Erfolg und wurde in den folgenden Jahrzehnten zum festen Bestandteil des Altenhainer Dorflebens. Veranstaltungsorte waren überwiegend der Parkplatz im Ortskern, zeitweise auch der Ascheplatz vor der alten Turnhalle sowie einmal der Grüne Baum. In den späteren Jahren wurde die Kerb aufgrund rückläufiger Besucherzahlen auf den Parkplatz der Turnhalle verlegt.

Erster Schlagges der neuen Kerb war Jürgen Gottschalk, der mit seiner stimmgewaltigen Art und seiner Begeisterung die Kerbeborsch anführte. Unterstützt wurde er von seinem Stellvertreter Rüdiger Gottschalk, der organisatorisches Talent und großen Einsatz für die Kerb bewies.

Eine Besonderheit der Altenhainer Kerb war von Beginn an die Rolle des Kerbepfarrers. Im ersten Jahr der neu aufgelegten Kerb wurde diese Rolle noch von einem auswärtigen Kerbepfarrer übernommen. Bereits im zweiten Jahr übernahm Toni Ohlenschläger dieses Amt selbst. Inspiriert von der Kerbetradition aus Sulzbach entwickelte er die Figur des Kerbepfarrers stetig weiter und prägte sie über viele Jahre hinweg mit viel Humor, Kreativität und einem feinen Gespür für die Geschichten und Eigenheiten des Dorfes. Damit schuf er eine Tradition, die bis heute zu den Höhepunkten der Alehaaner Wuzzekerb zählt und aus dem Kerbeprogramm nicht mehr wegzudenken ist.

Mit der Wiederbelebung im Jahr 1976 begann die Ära der Altenhainer Zeltkerb. Über mehr als drei Jahrzehnte prägte sie das Dorfleben und legte den Grundstein für die heutige Alehaaner Wuzzekerb. Bis 2009 wurde die Kerb Jahr für Jahr gefeiert und von Generationen von Kerbeborsch, Vereinen und Besuchern getragen, bevor die Tradition erneut für einige Jahre ruhte.

 

1996 - Gründung des AAKCs

Um die Zukunft der Kerb langfristig zu sichern, beschlossen die Altenhainer Kerbeborsch schließlich, einen eigenen Verein zu gründen. Da kein bestehender Verein bereit war, die Kerb dauerhaft in Eigenregie durchzuführen, entstand am 20. Januar 1994 der Altenhainer Alt-Kerbeborsch Club (AAKC). Ziel des Vereins war und ist es, die Altenhainer Kerb zu erhalten und die Tradition an kommende Generationen weiterzugeben.

Den Vorsitz des Vereins übernahm von der Gründung bis 2017 Rolf Lange. Unter seiner Führung entwickelte sich der AAKC zur festen Größe im Altenhainer Vereinsleben. Die Kerb wurde fortan in Eigenregie des Vereins organisiert und überwiegend auf dem Festplatz am heutigen Parkplatz vor dem Spielplatz ausgerichtet. Gleichzeitig wurde die Veranstaltung weiterhin von zahlreichen ortsansässigen Vereinen unterstützt, die durch ihre Mithilfe einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Kerb leisteten.

In den folgenden Jahren versuchte man mit unterschiedlichen Konzepten und Veranstaltungsformaten, die Kerb an die sich verändernden Rahmenbedingungen und Besucherinteressen anzupassen. Trotz des großen Engagements aller Beteiligten gingen die Besucherzahlen jedoch zunehmend zurück. Nach der Kerb im Jahr 2009 musste schließlich die vorerst letzte Wuzzekerb gefeiert werden. Damit endete zunächst eine über drei Jahrzehnte andauernde Ära der Altenhainer Zeltkerb und die Zukunft der Tradition war erneut ungewiss.

 

2016 - Die Auferstehung

 

Nach dem Ende der Alehaaner Wuzzekerb in den 2000er-Jahren schien die Tradition zunächst verloren. Doch eine neue Generation Altenhainer wollte sich damit nicht abfinden. Die Idee zur Wiederbelebung entstand bereits nach der Neuenhainer Kerb 2014. Dort trafen sich erstmals einige junge Altenhainer rund um den späteren Ideengeber und Schlagges Leon Paul mit dem gemeinsamen Ziel, die Kerb nach Altenhain zurückzubringen. Aus ersten Gesprächen wurden regelmäßige Treffen, aus Ideen konkrete Pläne. Schritt für Schritt entwickelte sich ein Konzept, das die Tradition bewahren und gleichzeitig einen Neuanfang ermöglichen sollte.

Nach fast zwei Jahren Vorbereitung war es schließlich soweit: Am zweiten Septemberwochenende 2016 feierte die Alehaaner Wuzzekerb ihre Wiederauferstehung im Festsaal des Gasthauses „Zum Grünen Baum“. Rund 15 Kerbeborsch standen hinter dem Projekt und sorgten dafür, dass die Kerb erstmals wieder stattfinden konnte. Die Vorfreude im Ort war riesig. Viele Altenhainer waren gespannt, ob die alte Tradition tatsächlich neues Leben erhalten würde.

Das Wochenende selbst übertraf alle Erwartungen. Der Saal war gut gefüllt, die Stimmung ausgelassen und die Begeisterung spürbar. Mit viel Herzblut, Spaß und Gemeinschaftsgefühl wurde gefeiert, gelacht und gezeigt, dass die Alehaaner Kerb noch lange nicht vergessen war. Die Kerb 2016 war mehr als nur ein Fest – sie war der Startschuss für eine neue Generation von Kerbeborsch und der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält. Seitdem findet die Alehaaner Wuzzekerb wieder jedes Jahr am zweiten Septemberwochenende statt und ist fester Bestandteil des Altenhainer Dorflebens.

2017 bis 2021

Der Erfolg der Wuzzekerb 2016 sorgte dafür, dass die Bewegung weiter wuchs. Bereits 2017 gründeten sich die Wuzzemädels und bildeten fortan eine eigene Sparte neben den Kerbeborsch. Damit erhielt die junge Kerbgeneration weiteren Auftrieb und die Gemeinschaft wurde noch größer. Wie schon im Vorjahr fand die Kerb erneut im Festsaal des Grünen Baumes statt und entwickelte sich weiter zu einem festen Treffpunkt für Jung und Alt.

 

Auch 2018 wurde die Alehaaner Wuzzekerb wieder im Grünen Baum gefeiert. Die Besucherzahlen stiegen, die Kerbeshow wurde ausgebaut und die neue Generation der Kerbeborsch und Wuzzemädels etablierte sich zunehmend im Altenhainer Dorfleben.

Im Jahr 2019 musste die Kerb jedoch in deutlich kleinerem Rahmen stattfinden. Nach dem Tod des langjährigen Wirts Friedel war die Zukunft des Grünen Baumes zunächst ungewiss und die Nachfolge noch nicht geklärt. Daher wurde lediglich ein kleines Kerbefest am Vereinsheim veranstaltet. Trotz der schwierigen Umstände gelang es den Aktiven, die Tradition aufrechtzuerhalten und ein Zeichen dafür zu setzen, dass die Wuzzekerb weiterlebt.

 

2020 stellte die Corona-Pandemie die Kerbeborsch und Wuzzemädels vor neue Herausforderungen. Eine klassische Kerb war nicht möglich. Dennoch wollte man das zweite Septemberwochenende nicht einfach verstreichen lassen. So wurde ein coronakonformer Festabend im Saal des Grünen Baumes veranstaltet – genau an dem Ort, an dem die Wiederauferstehung der Wuzzekerb vier Jahre zuvor begonnen hatte. Außerdem nahmen die Kerbeborsch und Wuzzemädels mit Maske am traditionellen Kerbegottesdienst teil und hielten so die wichtigsten Bestandteile der Kerb aufrecht.

 

 

2021 folgte schließlich ein weiterer Meilenstein in der jüngeren Kerbegeschichte. Aufgrund der besonderen Rahmenbedingungen fand die Alehaaner Wuzzekerb erstmals nicht auf Altenhainer Gelände statt. Am Medico-Palais wurde eine coronakonforme Kerb mit Gästen organisiert. Nach den Einschränkungen des Vorjahres war es endlich wieder möglich, gemeinsam zu feiern und ein Stück Normalität zurückzugewinnen. Auch wenn der Veranstaltungsort ungewohnt war, zeigte sich einmal mehr, dass die Alehaaner Wuzzekerb nicht von einem Ort lebt, sondern von den Menschen, die sie mit Leidenschaft und Herzblut gestalten.

Endlich wieder Zeltkerb

Nach den schwierigen Jahren während der Corona-Pandemie entwickelte sich innerhalb des AAKC eine klare „Jetzt-erst-recht“-Mentalität. Mit dem neu formierten Vorstand um Leon Paul, Noah, Malte, Louisa und Hannah wurden alle Kräfte gebündelt und die Weichen für die Zukunft der Alehaaner Wuzzekerb gestellt.

Das große Ziel war es, die Kerb wieder größer, sichtbarer und zukunftsfähig aufzustellen. Nach monatelanger Planung, unzähligen Arbeitseinsätzen und dem Engagement vieler Helfer gelang 2022 schließlich der nächste Meilenstein: Die erste Alehaaner Wuzzekerb im Festzelt auf dem Bolzplatz hinter der Kahlbachhalle. Für die junge Generation der Kerbeborsch und Wuzzemädels war dies ein gewaltiger Schritt und gleichzeitig ein voller Erfolg. Das neue Konzept wurde von den Besuchern hervorragend angenommen und schuf die Grundlage für die weitere Entwicklung der Kerb.

Seitdem wächst die Wuzzekerb Jahr für Jahr. Mit jeder Veranstaltung sammelten die Verantwortlichen neue Erfahrungen, professionalisierten die Organisation und konnten immer mehr Gäste in Altenhain begrüßen. Aus einer mutigen Idee einer Handvoll junger Altenhainer entwickelte sich innerhalb weniger Jahre wieder eines der größten und bedeutendsten Feste im Ort.

Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte diese Entwicklung im Jahr 2025. Allein am Kerbefreitag wurden weit über 1.200 Besucher auf dem Kerbegelände gezählt. Damit zeigte sich eindrucksvoll, wie erfolgreich die Wiederbelebung der Alehaaner Wuzzekerb verlaufen war. Was 2016 mit rund 15 Kerbeborsch im Saal des Grünen Baumes begann, hatte sich innerhalb weniger Jahre zu einer modernen und gleichzeitig traditionsbewussten Kerb entwickelt, die weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt ist.

Mit dem Jubiläumsjahr 2026 und dem 50-jährigen Bestehen der Alehaaner Kerbeborsch soll nun ein weiterer Höhepunkt der Vereinsgeschichte gefeiert werden – getragen von dem gleichen Gemeinschaftsgeist, der die Wiederauferstehung der Wuzzekerb überhaupt erst möglich gemacht hat.